Stellungnahme zum zweiten Blogeintrag der Aggronauts:
Die Aggronauts haben einen neuen Blogeintrag veröffentlicht, in dem sie die Definitionsmacht der Betroffenen erneut nicht anerkennen und mit den Worten „die Vorwürfe der gruppe goodbye earl sind nicht wahr“ sogar die Geschehnisse an sich leugnen. Dennoch versuchen sie sich im gleichen Atemzug als Antisexist_innen zu inszenieren.
Die Aggronauts verlinken in ihrem Blog mehrere Texte zum Thema Definitionsmacht, die jedoch genau jenes Verhalten kritisieren, dass sie gerade selbst an den Tag legen. Das Ganze mutet doch ein wenig paradox an. Um es noch einmal klar zu sagen: Definitionsmacht ist keine Verhandlungssache. Es ist nicht möglich, sie in einem Fall anzuerkennen und in einem anderen Fall nicht, bloß weil jemand aus der eigenen Crew als Vergewaltiger_in geoutet wurde.
Die Aggronauts schreiben, die Betroffene bzw. die Unterstützer_innengruppe, würde „schmutzige wäsche waschen“ wollen. Diese Formulierung alleine macht schon mehr als deutlich, dass sie offenbar nicht dazu gewillt sind die Definitionsmacht der Betroffenen anzuerkennen und ist darüber hinaus ihr gegenüber verletzend und beleidigend.
Ob jemand von den Aggronauts mit dem_der Macher_in des doch-Blogs bekannt ist oder nicht, ist vollkommen irrelevant. Sie haben sich in ihrem ersten Blogeintrag ausdrücklich positiv auf die sexistischen und die Definitionsmacht angreifenden Texte auf dem Blog bezogen. Das ist was zählt.
Wir wiederholen noch einmal: Die Aggronauts als Band haben zu keinem Zeitpunkt versucht mit uns Kontakt aufzunehmen. Einzig Florian selbst ist mit uns per Email in Kontakt getreten, und hat angeboten, sich mit uns zu treffen, um seine Version der Geschichte zu erzählen. Zu diesem Treffen
wollte er Menschen aus seinem Umfeld mitbringen, „die diese zeit miterlebt haben“. Er sprach dabei von „menschen aus meinen bands und verwandte(n)“. Auf dieses Angebot sind wir nicht eingegangen, weil es für uns unter diesen Umständen und auch aufgrund des sich rechtfertigenden Tonfalls seiner Email keine Option darstellte. Diesen Versuch der Kontaktaufnahme als von der Band ausgehend darzustellen entspricht nicht der Wahrheit.
Wir sind nach wie vor an einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit Florian interessiert, aber nicht über Blogeinträge auf Myspace und nur auf Basis der Anerkennung der Definitionsmacht der Betroffenen.
Die Inszenierung der Band als ausgewiesene Antisexist_innen bei gleichzeitiger Leugnung der Definitionsmacht der Betroffenen empfinden wir als geschmacklos und politisch untragbar. Deshalb fordern wir mehr den je
Solidarität mit der Betroffenen!
Stellungnahme zum ersten Blogeintrag der Aggronauts:
Die Aggronauts, eine der Bands von Florian, haben sich auf ihrem Myspace Blog zu Wort gemeldet. Da anzunehmen ist, dass sie, sobald sie einsehen, was für ein Eigentor sie sich damit geschossen haben, den Blog wieder löschen, könnt ihr ihn euch am Ende dieser Seite als Screenshot herunterladen.
Wir halten es für sinnvoll an dieser Stelle folgende Dinge klarzustellen:
1. Von „vorwürfen“ oder „gerüchte[n]“ zu sprechen ist unangebracht. Es geht hier um eine Öffentlichmachung. Wer in einem solchen Fall von (unberechtigten) Vorwürfen oder Gerüchten, also nicht von tatsächlich Geschehenem spricht, stellt damit schon die Definitionsmacht in Frage.
2. Die Gruppe goodbye.earl kommt nicht „aus dem umfeld des subversivs berlin“. Die Menschen in der Gruppe kommen aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Das Kollektiv des Subversiv war lediglich der erste Zusammenhang, der auf die Öffentlichmachung reagiert hat und, wie in solchen Fällen üblich, ein Hausverbot gegen Florian und ein Auftrittsverbot gegen seine Bands verhängt hat.
3. Wir haben niemals „jeglichen kontakt“ zu der Band Aggronauts verweigert.
Die Band als solche ist niemals an uns herangetreten. Gespräche in einem Setting zum Schutz des Täters haben wir abgelehnt, da wir es als Unterstützer_innen-Gruppe der Betroffenen für unangebracht und unzumutbar halten. Gespräche zum politischen Umgang mit dem Fall wurden von der Seite des Täters nie angefragt.
4. Wir freuen uns darüber, dass „die aggronauts […] nie irgendeine form von sexismus, sexualisierter gewalt und vergewaltigung akzeptieren, tolerieren, dulden oder verschweigen [werden]“. Da dies in logischer Konsequenz nur bedeuten kann, dass sie auch in diesem Fall die Definitionsmacht der Betroffenen anerkennen, werden sie sicherlich auf ihren Gitarristen einwirken, damit dieser sich endlich seiner Verantwortung stellt. Oder sie haben etwas grundsätzlich und absolut falsch verstanden…
5. Uns wäre nicht bekannt, dass Menschen in unserer Gruppe „engen kontakt pflegen mit menschen, die wegen sexistischen äußerungen und handlungen schon öfters aufgefallen sind“. Obwohl es selbstverständlich sein sollte, und wir es deshalb lästig finden, darauf einzugehen, möchten wir darauf hinweisen, dass zur Einschätzung politischer Sachverhalte persönliche Beziehungen zunächst einmal irrelevant sind. Solche als „Beweise“ für etwas anzuführen, offenbart das miserable Diskussionsniveau der Band. Wir können daraus nur schließen, dass die Aggronauts entweder nicht wissen, wer wir eigentlich sind, oder nicht wissen, was Sexismus ist, oder wahrscheinlich beides.
Wer sexistische Kackscheiße wie die verlinkten Blogeinträge abfeiert und offenbar nicht das geringste Problem damit hat, mit einem Vergewaltiger in einer Band zu spielen, sitzt außerdem so derbe im Glashaus, dass sie_er nicht einmal mit Sandkörnern werfen sollte.